Ein paar grundlegende Gedanken
Auf dieser Seite findest du Anregungen zur Entwicklung, Förderung und Erziehung deines Hundes, von den Überlegungen vor dem Kauf, über die Zeit als Welpe und Junghund bis zum Start in einer Dummygruppe:
Die Lebenserwartung eines Hundes ist im Vergleich zu uns Menschen viel kürzer, dementprechend verläuft auch die körperliche und geistige Entwicklung viel schneller. Der Hund muss in sehr kurzer Zeit lernen, sich in unserer komplexen Welt zurechtzufinden und sollte die zahlreichen (oft auch unbewussten!) Erwartungen von uns Menschen erfüllen.
Die wichtigste Lernphase (Prägung) eines Hundes findet in den ersten 16 Lebenswochen statt. Weiteres Lernen ist später immer noch möglich, aber alles was der Hund in der Prägungsphase nicht (oder "falsch") gelernt hat, lässt sich später oft nur mit viel Aufwand nachholen oder korrigieren. Deshalb müssen wir die ersten Wochen optimal nützen, jedoch ohne den Welpen zu überfordern.
Vor dem Kauf
Vor dem Kauf sollte man sich gut überlegen, welcher Hund zu einem passt. Jede Hunderasse wurde ursprünglich für einen bestimmten Zweck gezüchtet. Diese Veranlagung bringt der Hund mit, und kann durch Training nicht einfach "unterbunden" werden. Ein Husky wurde z.B. zum Schlitten ziehen gezüchtet. Er verfügt nebenbei über einen ausgeprägten Jagdtrieb und die Kooperationsbereitschaft mit uns Menschen ist, im Gegensatz zu anderen Hunderassen, nur beschränkt vorhanden. Kurznasige Rassen wie z.B. Mops oder Französiche Bullogge leiden bei Hitze und Anstrengung oft unter Atemnot und müssen mit einer Operation von ihrem Leiden befreit werden, (nicht alles was der Mensch "schön oder süss" findet, ist zum Wohle des Hundes!). Natürlich spielt auch die Grösse, das Temperament und der Pflegeaufwand (je nach Fellstruktur), bei der Auswahl eine Rolle.
Beim Züchter werden die ersten Grundlagen für eine "erfolgreiche" Entwicklung gelegt. Deshalb ist es sehr wichtig, den Züchter seines zukünftigen Hundes sorgfältig auszuwählen.
Ich empfehle Züchter, die nach den Richtlinien der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG) und mit International anerkanntem Stammbaum (FCI) züchten. Die Zuchthunde dieser Züchter müssen gesundheitliche Auflagen erfüllen und einen Wesentest bestehen. Die Anforderungen an die Zuchtstätte (Aufzuchtbedingungen...) sind reglementiert und werden vom Zuchtverband kontrolliert. Zudem sollte ein gewissenhafter Züchter die Käufer vor und nach dem Kauf beraten, unterstützen und begleiten.
Hunde (und Menschen) sind Lebewesen mit Stärken und Schwächen und es gibt leider keine 100% Garantie für einen gesunden, langlebigen und vom Wesen her perfekt zu einem passenden Hund. Zudem hat auch der Hundehalter einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Entwicklung seines Hundes.
Beim Züchter
Beim Züchter sollte der Welpe in einem Umfeld aufwachsen, in dem er erste Erfahrungen mit seiner zukünftigen Umwelt sammeln kann. Mit optischen, akustischen, taktilen... "Reizen" wie Fähnchen, Geräuschen, Wackelbrett... werden alle Sinne angesprochen. Beim Spiel mit Geschwistern wird die Beisshemmung aufgebaut (wenn man zu fest "zubeisst", findet das der Spielkamerad nicht lustig und läuft weg), die Welpen erhalten Kontakt zu Menschen verschiedenen Allters, es finden erste kurze Autofahrten statt..., die Mutterhündin setzt auch mal Grenzen, wenn es zu ruppig zu und her geht und die Kleinen müssen akzeptieren, wenn sie ein Spielzeug nur für sich beanspruchen möchte.
Bei uns zu Hause
Nach einer kurzen Eingewöhungszeit bei uns zu Hause, empfehle ich den Besuch einer Welpengruppe. Der Züchter kann sicher Adressen vermitteln. Wenn keine Empfehlungen vorliegen, würde ich vorher einen Schnupperbesuch ohne Hund machen.
Ziele einer gut geführten Welpen(spiel)gruppe: Die weitere Gewöhnung an Umweltreize, kennenlernen anderer Hunderassen (anderes Aussehen, Grösse, Verhalten...), Abrufübungen, sich einen Moment still halten können, Zeit für Fragen... Wichtig ist, dass das Spiel mit anderen Welpen gut beobachtet und wenn nötig unterbrochen wird. Das Erlernen eines respektvollen Verhaltens gegenüber anderen Hunden und ein "Spiel" das beiden Welpen Spass macht, sollte im Zentrum stehen!
Das Spielen mit anderen Welpen und erwachsenen Hunden muss auch ausserhalb der Welpengruppe immer gut beobachtet und wenn nötig unterbrochen werden. Ein Hund der sich anderen Hunden gegenüber rüppelhaft verhält, zeigt meist auch wenig Respekt gegenüber seinem Hundehalter und ein Welpe, der immer wieder angerempelt und belästigt wird, zeigt sich zunehmend unsicher und zieht sich zurück.
Gemäss einer Studie wurde festgestellt, dass wir Menschen offenbar Mühe haben, ein "negatives" Spielverhalten unter Hunden zu erkennen. Gerade wenn es sehr wild und hektisch zugeht, muss man um so genauer hinschauen. Zudem ist das Spiel und die Beschäftigung mit uns Menschen für den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung ebenso wichtig. Der Hundeführer und seine Familie sind "sein neues Rudel" und sollten deshalb im Zentrum stehen.
Kommen wenn man ruft
Eine der wichtigsten Aufgaben, die bereits ein Welpe lernen sollte, ist das "Kommen wenn man ruft". Einem Hund, der sich sicher abrufen lässt, kann man mehr Freiheiten gewähren. Selbstverständlich gehört ein Hund an einer befahrenen Strasse oder bei sonstigen Gefahren immer an die Leine, einen 100% Appell gibt es nicht!
Ein Welpe bemüht sich, in der Nähe seiner Mutter zu bleiben. Ohne sie wäre er (in der Natur) sehr schnell verloren. Diesen "Trieb" überträgt der Welpe auf uns Menschen und können wir ausnutzen. Sobald der Welpe etwas vertraut mit uns ist, fahren oder tragen wir ihn in ein Waldstück oder auf eine Wiese. Dort setzen wir ihn ohne Leine auf den Boden und entfernen uns. Er wird uns sofort nachfolgen. Ab und zu entfernen wir uns etwas rascher, gehen in die Knie und empfangen den Welpen mit grosser Freude, wenn er auf uns zuläuft. Wenn das klappt, können wir das "auf uns Zulaufen" mit einem Rückrufsignal, z.B. Name des Hundes und "hier" verbinden.
Je älter der Welpe wird, desto längere Strecken können wir vorauslaufen und das Abrufen üben. Mit zunehmendem Alter kann man sich auch ab und zu verstecken und ihn (wenn möglich ohne zu rufen) suchen lassen, und natürlich immer freudig empfangen. Auch eine andere Richtung einschlagen oder in unbekanntem Gelände spazieren gehen hilft, dass der Welpe sich stets aufmerksam an uns orientiert, ohne dass wir ihn ständig rufen müssen.
Mit der Zeit kann man auch Ablenkungen einbauen, z.B. Begegnungen mit anderen Menschen, Hunden... Wichtig ist, nur zu rufen, wenn der Rückruf sicher klappt! Bei zu grosser Ablenkung, den Hund lieber ruhig abholen oder sich in der Nähe verstecken und geduldig warten, bis er von sich aus zurückkommt und uns sucht. Immer loben, wenn er kommt!
Den "Appell" muss man ein Hundeleben lang üben und unbedingt bereits in der Prägungsphase damit beginnen!
Leinenführigkeit
Auch das Gehen an lockerer Leine sollte man bereits im Welpenalter üben. Hier ist nicht das "perfekte bei Fuss gehen" neben dem Hundeführer gemeint und es sollte ohne Befehle funktionieren.
Wir setzen den Welpen in einem Waldstück oder Wiese ohne Ablenkung auf den Boden und befestigen eine kurze Leine am Halsband. Da der Welpe kurz nachdem er bei uns eingezogen ist, in der Regel gerne bei uns bleibt, kann man das Halsband verwenden. Wir halten die Leine locker, von uns aus kommt absolut kein Zug. Wenn der Welpe in eine Richtung zieht, bleiben wir ohne Worte stehen. Unsere Arme bleiben locker. Sobald der Zug vom Welpen aus nachlässt, gehen wir weiter. So lernt er schnell, dass es nicht weitergeht, wenn er zieht.
Da wir mit einem Welpen sowieso nur kurze Strecken gehen "müssen", kann und sollte man diese Methode konsequent anwenden, also sofort ohne Worte stehen bleiben, wenn der Welpe zieht. So wird er den ihm zur Verfügung stehenden Leinenbereich rasch akzeptieren und sich an uns orientieren.
Bei einem erwachsenen Hund, der dies nicht bereits als Welpe gelernt hat, braucht es sehr viel Geduld und Ausdauer und es müssen oft auch andere Methoden angewendet werden.
Es ist auch hilfreich, den Hund an der kurzen Leine nicht schnüffeln oder versäubern zu lassen. Hundebegegnungen an der Leine sind sowieso tabu. Der Hund soll sich an der Leine an uns orientieren, im Freilauf kann er dann nach Lust und Laune seinen Bedürfnissen nachgehen.
Spielen mit Gegenständen
Im Welpenalter nehmen alle Welpen gerne Gegenstände auf und tragen sie mit Stolz herum. Dies kann man unterstützen, indem man den Welpen lobt, wenn er Spielsachen herumträgt. Wichtig ist, dem Welpen den Gegenstand nicht sofort wegzunehmen, wenn er zu uns kommt, also fürs festhalten loben! Auf keinen Fall mit Stecken spielen! Einerseits besteht Verletzungsgefahr, andererseits haben sie keinen Wert und man kann sie achtlos liegen lassen.
Ein Welpe sollte auch bereits das "Aus" lernen. Er darf seine "Beute" nicht mit Knurren gegen uns verteidigen und auch die Beisshemmung muss meist noch weiter aufgebaut werden. Diese Themen werden, wie z.B. auch die Stubenreinheit, einen Moment allein bleiben können.... in der Welpengruppe thematisiert.
Gewöhnung ans Wasser
Idealerweise sollte der Welpe auch bereits in den ersten 16 Lebenswochen positive Erfahrungen mit Wasser sammeln können. Wenn die Prägungsphase in die Winterzeit fällt, ist das nicht so einfach, da das kalte Wasser den Welpen abschrecken könnte.
Man startet mit einem niedrigen Gewässer und achtet darauf, dass der Welpe nicht in vollem Tempo ins Wasser stürmt und dann erschrickt, wenn er den Boden unter den Füssen verliert. Er nimmt das Wasser als Oberfläche wahr und ist umso erstaunter, wenn er darin "versinkt". Bei sorgfältigem Vorgehen, lernt der Welpe in der Regel innert kürzester Zeit schwimmen und hat Freude daran.
Nach der Prägungsphase
Die Teilnahme in einer Welpengruppe endet in der Regel mit 16 Wochen. Danach empfehle ich den Besuch einer gut geführten Junghundegruppe. Auch hier sollte in erster Linie die Konzentration auf den Hundeführer, das gemeinsame Lernen und der weitere Aufbau einer vertrauensvollen Bindung im Zentrum stehen. Das "Spielen" mit (fremden) Artgenossen rückt zunehmend in den Hintergrund und spätestens mit der Pupertät erhalten die Kontakte zu anderen Hunden sowieso eine neue Bedeutung (Status ausloten...).
Ab 6 - 8 Mt. kommt dann die Zeit, wo man sich für eine "Hundesportart" entscheiden kann, die Hund und Hundeführer hoffentlich Spass macht und das gemeinsame Leben bereichert.
Viele weitere hilfreiche Tipps rund um den Hund: hundschweiz.ch